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Musikmachen mit Netbooks

Mal eben schnell einen Track zusammenbauen, egal ob im Urlaub oder sonstwo: Netbooks mit ihrer langen Akku-Laufzeit, kombiniert mit einem einfachen Midi-/Audiointerface sind dafür optimal. Ab dem AMD E-350 / E-450 geht es los, Intels Core i3 kommt dann sogar an Leistungswerte heran, die auch "große" Notebooks liefern. Eine Bildschirmauflösung von 1366x768 Pixel sollte das Netbook mitbringen, mehrere USB-2.0-Schnittstellen sind heute Standard.
Latenz optimieren
VST-Instrumente, die Sie in Echtzeit spielen wollen, müssen ohne merkliche Verzögerung erklingen. Bei einem Netbook ist hier besondere Vorsicht geboten, denn manche kleinen Zusatzprogramme bremsen den Rechner für einige Sekundenbruchteile aus und sorgen dadurch für nervige Aussetzer / Knackser bei der Audiowiedergabe.
Ob solche Dinge auch Ihr Netbook blockieren, finden Sie einfach heraus, wenn Sie das kostenlose Programm DPC Latency Checker benutzen. Dieses Programm zeigt Ihnen zwar nicht, welches Teil genau diese Aussetzer verursacht, es zeigt Ihnen aber, ob solche Blockaden überhaupt exisiteren.
So könnte beispielsweise das Abschalten des Active Protection Systems zum Schutz der Festplatte, sowie bei AMD-E350/E450-CPUs die Vari-Bright-Technologie der Grafikkarte (im Register PowerPlay der ATI-Catylst-Software) Audio-Aussetzer verhindern. Netzwerkfunktionen wie WLan und Bluetooth fallen im DPC Latency Checker vielleicht auch auf, probieren Sie aus, ob es hilft, wenn Sie WLan beim Musikmachen abschalten.
Neben der Hardware ist auch Software manchmal Schuld an Audio-Aussetzern: mancher Virenscanner fällt hier beispielsweise unangenehm auf. Kleiner Tipp: Microsoft Security Essentials ist eine sehr resourcenschonenede Anti-Viren-Software, die sich dadurch sehr für den ständigen Einsatz auf Audio-Netbooks eignet. Schauen Sie sich auch die kleinen Helfer im Autostart-Ordner an, die vom Hersteller des Netbooks dort installiert wurden.
Die Standard-Tipps für eine ordentliche Windows-Installation (Windows-Update auf aktuellstem Stand halten), sowie die typischen Audio-Tricks, wie etwa unter Systemeigenschaften -> Erweitert -> Systemleistung überflüssigen Grafik-Schnickschnack abzuschalten und im Register Erweitert dann auch die Prozessorzeitplanung auf Hintergrunddienste umzuschalten, das sind Dinge, die ja für Desktop-PCs ebenso gelten. AnalogX CacheBooster mit Audio/Video-Settings und eventuell ein Verzicht auf die Aero-Oberfläche von Windows 7 können Sie ebenfalls ausprobieren, um ein paar Prozent mehr Leistung aus dem Netbook zu kitzeln.
Asio4All
Manche USB-Soundkarte, die am Mac ganz ohne Treiber oder Spezial-Software funktioniert, braucht beim PC ein umfangreiches Installations-Paket. Oft ist das Quatsch, beispielsweise funktioniert das Mackie Onyx Blackjack gänzlich ohne spezielle Treiber mit der kostenlosen Software Asio4All. Zudem wird es mit Asio4All einfacher, zwischen interner und externer Soundkarte umzuschalten, falls Sie ein Projekt mal ohne die externe Soundkarte öffnen möchten.
Es müssen dann im Audioprogramm keine Kanäle neu geroutet werden, sondern nur im Asio4All-Kontrollfeld einmal die Soundkarte gewechselt werden.
USB-Hubs für USB-1.1-Soundkarten + Dongles
Heutige Netbooks haben nur noch USB-2.0/-3.0 Schnittstellen, die Unterstützung für USB-1.1-Geräte ist zwar vorhanden, aber oft nicht perfekt. Hier lohnt es sich, ein USB-Hub zu kaufen, an dem Sie dann die Soundkarte, sowie MIDI-Interfaces und die Dongles wie etwa den iLok oder den Steinberg-Key anschließen. Gute Erfahrungen habe ich mit dem Dr. Bott gHub gemacht.
Welche Plug-ins für unterwegs?
So transportabel ein Netbook auch ist, die Leistung lässt sich mit einem modernen PC nicht vergleichen. Ein AMD E-350 ist in etwa so schnell wie ein Desktop-PC im Jahr 2005. Es macht von daher Sinn, je nachdem, was Sie unterwegs alles einsetzen möchten, die Plug-ins anhand der vorhandenen Rechenleistung auszurichten. Ein Software-EQ, der im Jahr 2006 mit ca. 60 Instanzen auf einem PC lief, sollte auf einem Netbook heute ebenso gut funktionieren. Ein Plug-in, das einen aktuellen Mehrkern-PC jedoch zu einem Zehntel fordert, wird fürs Netbook beim Mischen eher unpraktisch sein.
Hier einige Anregungen für Mix-Plugins. Alle Werte wurden in einem Reaper-Projekt mit je einer Stereo-Instanz bei 44.1kHz und 10 ms Latenz mit Asio4All gemessen, die CPU war hier ein AMD E-350. Die Werte sind lediglich zur groben Orientierung gedacht:
| Kategorie |
Name des Plug-ins |
CPU-Last |
| Track-EQ |
URS S-Series EQ |
1,2 % |
| URS N4 |
1,7 % |
| URS N-Series EQ |
1,0 % |
| ddmf 6144 |
1,6 % |
| Sonalksis SV-517 |
1,8 % |
| PSP NobleQ |
4,7 % |
| Track-Compression |
PSP oldTimer / oldTimerME |
2,6 % / 4,9 % |
| IK Multimedia Black76 / White2A |
3,5 % / 4,9 % |
| Kush Audio UBK-1 |
6,8 % |
| URS PhatC |
8,5 % |
| URS 1970 / 1980 |
3,3 % / 3,1 % |
| Audio Damage RoughRider |
1,4 % |
| Sonalksis SV-315 |
1,8 - 2,3 % |
| Waves RVox |
1,9 % |
| Waves RComp |
1,6 % |
| dlM sixtyfive |
2,8 % |
| Kjaerhus GUP-1 |
1,9 % |
| Mix-Reverb |
ValhallaRoom 1.1 (Prog: PCM Large Hall) |
2,9 % |
| ValhallaRoom 1.1 (Prog: Clear Hall) |
7,7 % |
| Uhbik-A |
5,6 % |
| Audio Damage AdVerb |
3,8 % |
| Waves IR-L (Prog: LX48L Concert Hall) |
6 - 10 % |
| Mix-Delay / Modulation |
Uhbik-D |
2,2 % |
| EmptyRoomSystems DimD |
3,3 % |
| Special-FX |
restliches Uhbik-Bundle |
1,6 - 4 % |
| Audio Damage Discord 3 |
4 % |
| Native Instruments Guitar Combos |
5,4 - 8 % |
| URS Saturation |
2 - 3 % |
| sknote Roundtone |
2 % |
| Waves RBass |
1,8 % |
| ToneBoosters ReelBus |
17,8 % |
| AVOX Warm |
0,5 % |
| Autotune EVO |
4 % |
| Voxengo GlissEQ2 |
3,5 % |
| TLs_Maximizer |
1,7 % |
| PLParEQ3NP4 |
15,6 % |
| Tape Echo GS-201 |
4,2 % |
| Virsyn VTAPE Saturator |
5,8 % |
| Waves RDeesser |
2,0 % |
| PSP MixSaturator |
1,7 % |
Wie Sie an der Tabelle sehen können, gibt es auch für schwächere CPUs durchaus genügend Auswahl. Und teils können Sie auch den CPU-Bedarf noch weiter reduzieren: Bei Waves IR-L weichen Sie auf das Plug-in IR-L Efficient aus und benutzen dort den LowCPU-Modus. Oder Sie stellen bei ValhallaRoom einfach mal den Reverb-Mode auf Narcissus oder einen der anderen resourcenschonenden Modi und hören, ob's nicht immer noch gut klingt.
Software-Synthesizer / Sampler
Natürlich ist das Thema Rechenleistung auch bei der Wahl von Synthesizern und Samplern relevant. Hier ein kleiner Anhaltspunkt, was man so an Leistung von einem E-350 Netbook in etwa erwarten kann. Auch diese Werte sind in Reaper gemessen bei 44,1kHz mit 10ms Latenz und Asio4All-Treibern und ebenfalls lediglich zur groben Orientierung gedacht:
| Name des Plug-ins |
CPU-Last |
| Emagic EXSP24 24 Stereo-Stimmen / 24db LP FAT-Mode |
15 % |
| Waldorf Largo 8 Stimmen / Progr.: SmoothLikeASilk WMF |
14 % |
| Emagic EVP73 20 Stimmen |
8 % |
| NI B4 Xpress |
4 % |
| Cakewalk Dimension LE 32 Stimmen / 12db LP Filter |
13 % |
| Synapse Dune 12 Stimmen / Progr.: Flanged Bass RH |
7,6 % |
| NI FM7 16 Stimmen / Progr.: DX Intro |
7 % |
| Gmedia Oddity 1 Stimme / Progr.: BandOnTheRun |
1,5 % |
| Sonicprojects OP-X 8 Stimmen / Progr.: OB Soft Strings |
9,4 % |
| Pianoteq PLAY 16 Stimmen 29.4kHz / Progr.: M3 Player |
15 % |
| Waldorf PPG Wave 2.v 8 Stimmen / Progr.: Factory ?84 003 |
4,2 % |
| NI Pro53 10 Stimmen / Progr.: Fat Bright Pad |
6,8 % |
| surge 8 Stimmen / Progr.: Endgame |
12 % |
| Korg M1 32 Stimmen / Progr.: Film Score |
9,4 % |
| Korg MonoPoly 12 Stimmen / Progr.: Luminescent |
14 % |
| Korg Wavestation 32 Stimmen / Progr.: Entropy |
13,5 % |
| Edirol Hypercanvas 48 Stimmen |
15 % |
| Edirol Orchestral 32 Stimmen / Progr.: Full Strings |
10,5 % |
| Edirol Super Quartett 48 Stimmen / Progr.: St. Concert |
14 % |
| XLS3LE 6 Stimmen / Progr.: C.D.Analog Lead |
24 % |
| U-He Diva 3 Stimmen Accuracy fast / Progr.: BT The master himself |
26,2 % |
Virtuelle Klangerzeuger werden meist in Echtzeit eingespielt. Das bedeutet aber auch, dass diese dann zusammen mit einem Großteil der Audio-Engine auf einem einzigen Kern des E-350 laufen. Die Rechenleistung halbiert sich daher, bei 50% CPU-Last ist theoretisch Schluß. Unter Normalbedingungen tritt dieser Effekt bereits bei 40% oder eher ein, schließlich werden Sie beim Einspielen nicht alle Sends im Audiomixer deaktivieren.
Ebenfalls wichtig: Einige der oben genannten Plug-ins benötigen zur Authorisation ein CD-Laufwerk, was Sie dann per USB ans Netbook anschließen dürfen. Funktioniert natürlich, ist aber sehr ärgerlich, wenn Sie unterwegs einmal das Laufwerk nicht dabei haben und die Software nach der Original-CD fragt. Ein Disc-Image-Tool könnte hier manchmal helfen, allerdings klappt das natürlich nur, wenn die Original-CD keinen Kopierschutz hat. Sie sollten bei der Wahl der Software daher auch den Kopierschutz im Blick behalten, ein iLok oder Steinberg-Key ist eben wesentlich eleganter als ein CD-Laufwerk.
Wohin mit den Audiodaten / Backups?
Die kleinsten Festplatten sind für einfache Audioanwendungen mit 250 GB ausreichend dimensioniert, aber spätestens wenn Sie komplette Projekte mehrfach in verschiedenen Projektphasen sichern möchten, wird die Datenmenge doch problematisch. Ein Tipp, der prima per WLan funktioniert ist iomegas iConnect. An dieses Gerät schließen Sie eine große USB-Festplatte an, und schon können Sie diese Festplatte per WLan nutzen, als wäre Sie direkt im Netbook eingebaut. Direkt Aufnehmen sollten Sie aber natürlich weiterhin auf der internen Festplatte.
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